Misshandlungsskandal

Ende 2004 erschütterte ein Misshandlungsskandal das österreichische Bundesheer. Grundwehrdiener mussten im Zuge ihrer Ausbildung eine Geiselnahme nachspielen. Dabei wurden einige von ihnen unter anderem von den "Geiselnehmern" gedemütigt und mit Urin bespritzt.

Die Berichterstattung über diesen Misshandlungsskandal hat damals auch bei mir alte, längst verheilt geglaubte Wunden wieder aufbrechen lassen. Ich zitiere aus meinem Tagebuch:

5.IX.2001: Heute war es wieder besonders schlimm. Den ganzen Vormittag wurde ich angeschrien und ich verbrachte die meiste Zeit knieend auf dem kalten Boden. Teilweise wurden mir die Augen verbunden. Ich wurde gedemütigt, indem ich lächerliche Kleider anziehen musste. "Das gehört dazu", hieß es und "Es ist doch nur ein SPIEL". Die vielen Stöße und Tritte auf Kopf, Rücken, Bauch und andere empfindliche Körperteile sind so alltäglich, dass ich sie hier erst gar nicht erwähnen möchte. Am Nachmittag quälte ich mich 2 Stunden im Sandbunker. Danach wurde ich durch Gestrüpp gehetzt und an einen Marterpfahl gefesselt. Dann geschah jedoch das Abscheulichste: (die Schrift ist hier von Tränen verwischt) Ich wurde zum wiederholten Male von oben bis unten mit Urin bespritzt. Fast wäre ich zusammengebrochen. Doch ich hatte unglaubliches Glück. Es war bereits 17.00 Uhr und ich durfte nach Hause gehen. Wieder hatte ich einen Tag beim Zivildienst im Kindergarten überlebt.

Ö3 vertonte diesen Text fast 1 zu 1 ein und brachte ihn im Ö3-Wecker. Ich möchte hier allerdings noch zwei Punkte festhalten:

  • Was im obigen Text steht, habe ich wirklich erlebt. Wichtig ist allerdings der letzte Satz.
  • Natürlich mache ich mich nicht über die tatsächlichen Opfer des Misshandlungsskandals lustig. Ihnen wurde übel mitgespielt und ich wünsche das keinem. Mein Text verdeutlicht nur, dass verschiedene Taten immer in einem Kontext gesehen werden müssen. So ist zum Beispiel angepinkelt zu werden an sich nicht demütigent. Verletzend ist die Absicht, die dahinter steckt oder eben nicht.